Gedankenstau? Wie Du den Kopf freier bekommst

Gedankenstau? Wie Du den Kopf freier bekommst

Nachdenken, grübeln, sinnieren, Überlegungen anstellen, durchdenken, sich den Kopf zerbrechen, reflektieren … Es gibt so viele Synonyme für den Akt des Nachdenkens, das man sich direkt wieder einen Kopf machen könnte, welches denn nun der passendste Ausdruck ist.

Was denkst Du jetzt in diesem Moment?

Nichts? Bist Du Dir sicher? Wenn ja, dann gratuliere ich Dir, denn dann scheinst Du vollkommen hier in diesem Moment zu sein. Bei den meisten von uns arbeitet es aber ständig im Hintergrund: Ob ich das Auto abgeschlossen habe? Meine Mutter muss ich noch anrufen, das darf ich nicht vergessen. Was steht eigentlich als nächstes auf der To Do Liste? Was soll ich heute Abend wohl kochen? Warum meldet er sich eigentlich nicht? Oder vielleicht geht es auch um grundlegendere Themen: Was soll ich aus meinem Leben machen? Wie das wohl mit der Beziehung weitergeht? Habe ich die Richtige Entscheidung getroffen? …

Oft halten wir unsere Gedanken nur zu gerne fest. Nachts im Bett zum Beispiel, wenn sich das Gedankenkaroussel dreht und dreht und jemand ständig eine Münze einzuschmeißen scheint, damit das Ganze noch eine Runde länger geht. Immer und immer wieder zermartern wir uns das Gehirn über ein Thema, das uns aktuell beschäftigt. Ach was sag ich da eigentlich? Multiple Themen! Wie beispielsweise das eigene Verhalten – „Habe ich mich wohl das richtige gesagt/geschrieben/getan?“ -, das Verhalten anderer – „Wie meinte er/sie das wohl?“ – oder auch gern mal das Leben an sich „Wieso ist das eigentlich so gelaufen und nicht anders? Hätte ich doch viel lieber dieses/jenes/sonstiges …“. Ist das eine Thema vermeintlich „durchdacht“, kommt das nächste, dann das übernächste und dann springt man wieder zum vorherigen und dann kommt vielleicht noch eines dazu, bis man wieder beim ersten angelangt ist und irgendwann kann einem regelrecht schwindelig davon werden.

Noch besser als die Karoussel-Analogie, finde ich allerdings den Vergleich mit einem verstopften Kreisverkehr – Gehupe, Gedrängel und laute Schreie der Autofahrer inklusive. Zeit, dass hier jemand Ordnung schafft und das wiederum kann man nur selbst. Aber wie? Lass‘ mich einmal das Bild des Kreisverkehrs weiterzeichnen …

Stelle Dir vor, Deine Gedanken wären Autos auf der Straße. Versuchst Du nun Sie anzuhalten, auf die Straße zu springen und ihnen hinterherzulaufen oder sie alle in den Kreisverkehr einzuschleusen, gibt es irgendwann ein Verkehrschaos – einen Gedankenstau. In der Realität gesprochen führt dieser Zustand dann dazu, dass einem alles zu viel wird, dass der Kopf raucht und Aufmerksamkeit und Konzentration schwinden, wir abgelenkt sind und nachts vielleicht nicht schlafen können.

Nun könnte ich den Tipp geben und sagen, sei „einfach“ im Hier und Jetzt und schalte die Gedanken ab. Tja, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass eben dies meist nicht so leicht funktioniert.

Es geht auch tatsächlich nicht darum, Gedanken einfach abzuschalten – Gedanken wird es immer geben (es sei denn, man ist ein hochbegabter Yogi). Was wir allerdings lernen können ist, sich ihrer bewusster zu werden und sie loszulassen. Übungen gibt es hierzu zahlreiche von Achtsamkeitsübungen, über Mentaltraining bis hin zu verschiedensten Meditationstechniken. Ich möchte an dieser Stelle eine einfache Übung mitgeben, die mir persönlich hilft hilft, um mir überhaupt meiner Gedanken bewusst zu werden (was denke ich da eigentlich die ganze Zeit?) und sie dann nicht immer wieder neu zu durchdenken, sondern sie loszulassen.

Zurück auf die Straße: Stelle Dir vor, du sitzt auf einer Verkehrsinsel inmitten Deiner ganzen Gedanken und spielst Beobachter. Werde Dir erst einmal grundsätzlich bewusst, was da so vorbei fährt und wie die Verkehrssituation aussieht: Das eine Auto fährt vielleicht schneller und das andere fährt ganz gern im Kreisverkehr seine Runden, weiter hinten bildet sich ein Stau, vielleicht kommt auch mal ein lauter Laster vorbeigebrummt. Du bist aufgesprungen und möchtest einen Gedanken festhalten – vielleicht zum Hundertsten Mal durchdenken – oder auf einen Gedanken aufsteigen und ganz weit weg fahren oder Du rennst vergeblich einem besonders schönen Flitzer aus der Vergangenheit hinterher? Dann kehre jetzt wieder zurück auf Deine Insel, werde wieder zum Beobachter, lass die Gedanken einfach an Dir vorbei fahren. Einfach vorbei fahren lassen bedeutet, sie zuzulassen, wahrzunehmen und sie dann loszulassen. Je mehr Gedanken Du versuchst festzuhalten, umso eher bildet sich ein Stau. Lässt Du sie jedoch kommen und wieder gehen, haben die Gedanken freie Fahrt und es wird sich kein Stau bilden.

Nimm Dir ein paar Mal in der Woche oder jeden Tag ein wenig Zeit – und seien es nur fünf bis zehn Minuten –, setze Dich auf Deine „Verkehrsinsel“ und beobachte. Das Beobachten und Loslassen wird sicherlich nicht von heute auf morgen klappen – es ist Übungssache und Du wirst merken, dass es Dir mit der Zeit leichter fallen wird. Wichtig ist: Bewerte nicht! Wenn das eine Auto heute ständig wieder kommt, dann beobachte einfach nur das – ohne es als gut oder schlecht, richtig oder falsch einzustufen.

Was bringt Dir die Übung? Zunächst einmal, Deine Gedanken kennen zu lernen. (Weißt Du eigentlich, was Du die ganze Zeit denkst?) Präsenter, achtsamer, bewusster zu sein und somit klarer und freier im Kopf zu werden und Dich grundsätzlich besser konzentrieren und fokussieren zu können. Vielleicht auch, Dich weniger gestresst zu fühlen und abends besser einschlafen zu können. Oder auch einfach akut mehr Ordnung in das Gedankenchaos zu bringen.

Und, was denkst Du jetzt in diesem Moment?

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