Future of Food Conference 2018: Wie werden wir uns in Zukunft ernähren?

Future of Food Conference 2018: Wie werden wir uns in Zukunft ernähren?

Wenn es um das Thema Essen geht bin ich ja ganz gerne, ganz vorne mit dabei. Das konnte ich bei der Future of Food Conference in Berlin vergangene Woche auch tatsächlich sein – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Es ging um die Zukunft des Essens.

Wie sieht die Zukunft unseres Essens aus? Wie werden wir uns zukünftig ernähren? Wie werden unsere Lebensmittel hergestellt werden?

Diese und weitere Fragestellungen wurden im Rahmen der halbtägigen Konferenz thematisiert und was dabei heraus kam, fand ich mehr als spannend, interessant, teilweise sogar erschreckend und auch hier und da fragwürdig. Aber genau dafür ist die Future of Food Conference gedacht: Diskutieren, Kontroversen schaffen, Visionen aufzeigen, Ideen fördern, für die Zukunft inspirieren.

Hier findest Du meinen Recap zu Urban Farming, “Lab-Grown-Food”, Grillen-Riegeln, Konjak-Nudeln, Getreide-Quetschen … kurz: der Future of Food Conference 2018 in Berlin.

Wird es künftig keine saisonalen Lebensmittel mehr geben?

“Vertical Farming” oder auch “Inhouse Farming” ist der Obst- und Gemüseanbau im urbanen Gewächshaus. Das vertikale Mini-Gewächshaus mit LED-Leuchten steht dann entweder im Supermarkt um die Ecke, im Restaurant – beides gibt es bereits in Berlin – oder zukünftig in kleinerem Umfang sogar in der eigenen Küche. Die Anbieter Infarm, Agrilution und BerlinGreen durfte ich auf der Future of Food Conference und Berlin Food Week kennen lernen.

Ich persönlich finde das Thema sehr spannend und habe daher dem Vortrag von Infarm zum Thema “Using the City as a Farm” aufmerksam gelauscht. Dabei habe ich vor allem ein unschlagbares Argument des Vertical Farmings kennen gelernt: Erntefrischen Salat, Gemüse und Obst. Und mit erntefrisch meine ich wirklich erntefrisch, also direkt vor dem Verzehr. Das sollte sich sowohl auf Geschmack als auch auf den Nährstoffgehalt auswirken – gerade wenn man im Vergleich an das oftmals unreif geerntete und tagelang herumliegende Gemüse- und Salatangebot aus den Supermärkten denkt. Auch auf Pestizide und ähnliches kann bei Vertical Farming verzichtet werden, was natürlich ein Vorteil ist. Letztlich könnte das Modell eine Lösung sein, die immer wachsende Bevölkerung in den Städten zu ernähren.

Dennoch bin ich Vertical Farming gegenüber auch zwiespältig eingestellt. Denn was mich beim Vortrag von Infarm etwas stutzig gemacht hat, war eine Publikumsfrage: “Wie steht Ihr zu Saisonalität? Wollt Ihr auch im Winter Sommergemüse, -salat und -obst anbieten, wie Erdbeeren zum Beispiel?” Die Antwort war kurz und knapp: “Wir sind gegen Saisonalität”. Auch meine Frage, ob es denn einen Unterschied zwischen echtem Sonnenlicht und den LED-Lampen im Gewächshaus gibt, wurde ähnlich kurz beantwortet: Licht sei Licht – da gäbe es keinen Unterschied.

Ich persönlich bin noch unsicher, ob eine Pflanze im Vertical Farming Umfeld tatsächlich in einer Form heranwachsen kann, die uns optimal nährt und versorgt, wie es eine Pflanze im natürlichen und ursprünglichen Umfeld tun würde. Ich denke hier sowohl an Nährstoffe als auch an Lebensenergie (im Sinne des Ayurveda oder der Traditionellen Chinesischen Medizin).

Zu guter Letzt, frage ich mich, was Vertical Farming in Bezug auf den Stromverbrauch bedeutet, welche Mengen an und welche Art von Strom für die Gewächshäuser benötigt werden und wie umweltfreundlich dies ist.

Kommt das Essen der Zukunft aus dem Labor?

In-Vitro-Fleisch? Fleischalternativen aus Pilzzellen? Kommt unser Essen zukünftig aus dem Labor? Lauschte man dem Vortrag “Lab-grown food – Wo liegt die Zukunft der Artificial Animal Products?” scheint dies tatsächlich die Entwicklung zu sein.

Doch die Frage, die sich mir stellt lautet: Wird sich das wirklich durchsetzen? Wird es Menschen egal sein, was sie essen und woher es kommt, hauptsache Geschmack und Konsistenz passen? Letzter Punkt zum Geschmack war eine der Hauptaussagen der Vortragsdiskussion. Ja, auch mir ist Geschmack wichtig, aber er ist für mich nicht der maßgebliche, alles bestimmende Faktor, wenn es um die Entscheidung geht, was ich esse und was nicht.

Denn auch hier frage ich mich, wie ein im Labor bzw. künstlich hergestelltes Nahrungsmittel langfristig auf unseren Körper wirkt. Auch das sehe ich unter anderem aus Sicht der bereits vorher beschriebenen Lebensenergie.

Grundsätzlich finde ich jedoch die grundlegenden Gedanken, mit denen sich auch die Vortragenden befassen – Wie ernähren wir die bald 8 Milliarden Menschen auf dieser Erde? Wie gehen wir mit Nahrungsmittelknappheit um? Wie können auch finanzarme Länder ausreichend ernährt werden? – sehr wichtige Fragen, die unbedingt gestellt und letztlich beantwortet werden sollten.

Insekten und Konjak: Zutaten der Zukunft?

Neben den genannten Zutaten wie Fleischalternativen aus Pilzzellen oder Salat aus dem Vertical-Farm-Gewächshaus, scheint eine weitere Zutat der Zukunft bei den Insekten zu liegen. Wobei dies letztlich nicht ganz so innovativ ist, da Insekten in manchen Ländern bereits seit geraumer Zeit ein fester Bestandteil der Ernährung sind. Nun gut, für mich ist es dennoch neu, Energie- und Proteinriegel (Insekten sind besonders proteinreich) aus Grillenmehl, wie zum Beispiel von Sens, oder Buffalo-Wurm-Mehl zu essen, und so ganz überzeugt bin ich persönlich noch nicht. Ich denke dennoch, dass sich dieser Trend tatsächlich weiter etablieren wird und auch hierzulande Insekten in der Zukunft einen gewissen Teil der Nahrung ausmachen werden.

Neben Insekten fand ich eine weitere “Zutat der Zukunft” spannend: Konjak. Mir ist Konjak-Mehl schon seit einer Weile ein Begriff, doch für die, die es noch nicht kennen: Konjak ist eine Wurzel (genau genommen der Teufelszunge), die vor allem in asiatischen Ländern wächst. Der Vorteil liegt hier bei der Dichte an Ballaststoffen, die enorm sättigen, bei einer gleichzeitig geringen Menge an Kohlenhydraten und Kalorien. Auf der Messe hat Shileo Nudeln, Reis und weitere Produtke aus Konjak vorgestellt. Aus meiner Sicht, eine tolle Alternative für Weizen- und andere Getreideprodukte.

Werden wir in der Zukunft wieder traditioneller?

Wie der Name vermuten lässt, ging es bei der Future of Food Conference um zahlreiche futuristische Themen, wie eben Essen aus dem Labor oder Vertical Farming. Umso schöner und überraschender fand ich es jedoch, dass die Konferenz auch sehr traditionelle Aspekte der Landwirtschaft und der Lebensmittelherstellung behandelte.

Zum einen gab es einen Aussteller, der mir besonders gefiel – stach er bei all den futuristischen Themen doch etwas heraus -, nämlich YouFlake. YouFlake bietet Müslimischungen an – jedoch mit dem vollen Getreidekorn. Diese Müslimischungen werden dann frisch zu Hause mit Hilfe einer entsprechenden Quetsche geflockt – Frischkornmüsli sozusagen. Hintergrund ist, dass fertige Haferflocken aufgrund der Herstellung (Erhitzung) nicht mehr das vollständige Nährstoffprofil aufweisen, wie es das ganze Korn tut. Back to the Basics, zurück zum Ursprung also! Schön zu sehen, dass die Zukunft auch dahin gehen kann.

Außerdem gab es im Rahmen der Future of Food Conference einen mehr als inspirierenden und überzeugenden, aber auch erschreckenden bzw. wachrüttelnden Vortrag von Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des Dachverbandes der Biobranche Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, zum Thema “Landwirtschaft von Morgen – Die Zukunft gehört Stabilen Systemen”.

Erschreckend im Sinne des Zustands in dem sich unser Ökosystem Erde aktuell befindet. Die Landwirtschaft in dem Maße wie sie heute betrieben wird, funktioniert kaum noch ohne Hilfsmittel, doch diese Hilfsmittel schädigen wiederum die Natur und es werden noch mehr Hilfsmittel nötig – eine Teufelskreis. Die Biodiversität unserer Natur, sprich, die Artenvielfalt nimmt immer mehr ab, sie gilt jedoch als “Immunsystem” unserer Erde. Wird das “Immunsystem” instabil, wird sich das auf die gesamte Erde und auch uns auswirken, schließlich sind wir ein Teil davon.

Daher ist es so unglaublich wichtig, die Natur wieder in Balance zu bringen und für stabile Systeme zu sorgen. Anfangen kann man hier bei sich selbst und der eigenen Ernährung, genauso wie damit, vor allem auf traditionell und biologisch hergestellte Produkte zurück zu greifen. Traditionelle und biologische Landwirtschaft kann sich dabei durchaus moderne Lösungen zu eigen machen, doch sie sorgt dabei dafür, dass das System Natur in Balance bleibt bzw. wieder dorthin gelangen kann.

Mein Fazit zur Future of Food Conference 2018

Wie sieht die Zukunft des Essens und der Ernährung nun wirklich aus? Nun, das wird die Zukunft zeigen. Fakt ist, dass wir uns aus meiner Sicht bereits beim Essen der Zukunft befinden. So viele verarbeitete Produkte wie heute, gab es wohl nie zuvor und nie zuvor hat sich die Ernährung so schnell verändert, wie in den letzten Jahrzehnte. Gemäß der Schnelligkeit, mit der sich heutzutage so ziemlich alles zu entwickeln scheint, wird sich auch die Entwicklung der Ernährung weiter beschleunigen.

Die Future of Food Conference 2018 hat einen sehr guten Ausblick auf unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten gegeben und war eine Inspiration dafür, wie wir die Zukunft mit gestalten können. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass wir heute, hier und jetzt damit anfangen.

Mehr zur Future of Food Conference erfährst Du hier: https://conference.ngin-food.com/  

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