Achtsam Essen: Der Bauch hat seinen eigenen Kopf

Achtsam Essen: Der Bauch hat seinen eigenen Kopf

Wie wäre es: Anstatt ständig neue Ernährungstrends umzusetzen, Studienergebnisse zu befolgen, einen Bogen um alles vermeintlich „Ungesunde“ zu machen, stringent Kalorien zu zählen, Diätplänen zu folgen und sich überhaupt viel zu viele Gedanken über Essen zu machen, einfach mal wieder den Bauch entscheiden zu lassen?

Ernährung ist individuell

Ständig gibt es neue Erkenntnisse aus dem Bereich Ernährung. Mittlerweile sollte man meinen, dass wir bei all’ dem Wissen rund um Ernährung und Lebensmittel, wissen müssten, wie gesunde Ernährung funktioniert. Aber genau das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Wir werden immer unsicherer. Im Prinzip ist das kein Wunder, denn auch wenn immer mehr Wissen kursiert, so scheint es auch immer Widersprüche zwischen Studienergebnissen und Ernährungsansätzen zu geben. Selbst ich – als Food Coach und jemand, der sich seit Jahren mit dem Thema Ernährung auseinander setzt – kann nicht definitiv sagen, was nun die „richtige“ Ernährung oder welche Ernährungsweise am gesündesten ist. Tatsächlich möchte ich das auch gar nicht, denn Ernährung ist so individuell wie wir Menschen selbst. Was gesund ist und was nicht ist somit von Mensch zu Mensch verschieden.

Der Bauch hat seinen eigenen Kopf

Ich sollte mehr Gemüse essen. Ich darf keine Süßigkeiten essen. Wie viel Kaffee pro Tag ist wohl gesund? Vollkorn ist gesünder als Weißmehl. Softdrinks sind Gift für den Körper. Früchte sind gesund. Ich muss ausgewogener essen. Ich sollte weniger Fleisch essen. Diesen Kuchen darf ich nicht essen, er landet sonst direkt auf meiner Hüfte. Kohlenhydrate sind ungesund, oder?!

Bestimmt hattest Du auch schon Gedanken dieser Art. Hast Du einmal überprüft, wie viele Gedanken Du Dir zum Thema Essen und Ernährung machst? Woher kommen diese Gedanken? Ob Studienergebnisse, die in Zeitschriften veröffentlicht werden, Mund zu Mund Propaganda zu den neuesten Ernährungstrends, Erkenntnisse aus Fernsehsendungen oder sogar gesellschaftlich geprägte Überzeugungen – Wissen und Informationen zum Thema Ernährung wird von sämtlichen Seiten an uns heran getragen. Aber wo ist unser Bauch(-gefühl) in dieser Gleichung geblieben? Der Teil, der sich am wesentlichsten mit der aufgenommen Nahrung beschäftigt.

Der Bauch hat seine ganz eigene besondere Intelligenz – unser Darm, wird nicht umsonst das 2. Gehirn genannt. Dein Bauchgefühl – Du kannst es auch Deine Intuition oder körpereigene Intelligenz nennen – ist der beste Ernährungsberater, den Du Dir nur vorstellen kannst. Dein Körper sagt Dir nämlich ganz genau, was gesund für ihn ist, was er braucht oder was ihm nicht bekommt und kann Deine ganzen Gedanken, Unsicherheiten und Fragen zum Thema Ernährung klar beantworten. Die einzige Herausforderung: Du darfst lernen hinzuhören und seine Signale zu verstehen. Wie das gelingt? Achtsam zu essen ist eine Möglichkeit. 

Was ist achtsames Essen?

Achtsamkeit ist nicht neu. Der Ansatz hat seine Wurzeln im Buddhismus und wurde unter anderem durch die Arbeiten von Dr. Jon Kabat-Zinn sowie dem Zen Meister Thich Nhat Hanh weltweit populärer. „Mindfulness Based Stress Reduction“ (MBSR) ist der Ansatz nach Kabat-Zinn, der Achtsamkeit folgendermaßen definiert: „Bewusstsein, das eintritt, wenn Du dem jetzigen Moment gewollt Deine volle Aufmerksamkeit schenkst und zwar ohne jegliche Wertung, dessen, was gerade ist.“ Das bedeutet im Prinzip, dass Du der Beobachter des jetzigen Moments wirst, ohne ihn als gut, schlecht oder sonst irgendetwas zu beurteilen. Und das kann auf alles angewendet werden – arbeiten, sitzen, gehen, stehen, zuhören und eben essen.

Achtsam essen ist ein wesentlicher Teil von MBSR. Es geht darum, aufmerksam, bewusst, mit Körpergefühl und allen Sinnen zu essen. Es geht auch darum, zu verstehen, dass Essen vielmehr ist als reine Nahrungsaufnahme. Essen kann auch etwas sehr Emotionales sein, wenn wir zum Beispiel aus Frust essen. Beim achtsamen Essen wird auch dafür ein Bewusstsein entwickelt.

Beispielfragen, um in Bezug auf Deine Ernährung und Dein Essverhalten achtsamer zu werden:

  • Wann esse ich?
  • Warum esse ich?
  • Wie viel Hunger habe ich?
  • Wonach ist mir? Was braucht mein Körper?
  • Wie riecht das Essen, wie sieht es aus, wie schmeckt es, wie fühlt es sich im Mund an?
  • Wann bin ich satt?
  • Wie ist mir das Essen bekommen?
  • Wie fühle ich mich beim Essen?
  • Wie fühle ich mich nach dem Essen?

Die Fragen sollten ohne jegliche Wertung beantwortet werden. Es geht beim achtsamen Essen erst einmal nur darum, das eigene Essverhalten zu beobachten. So bekommst Du ein besseres Gefühl sowie Bewusstsein für Essgewohnheiten und erst durch Bewusstsein ist Veränderung möglich.

Achtsam Essen: Eine Veränderung von Innen heraus

Im Gegensatz zu vielen Ernährungsweisen wird beim achtsamen Essen, eine Veränderung von Innen heraus erzeugt. Anstatt seine Ernährung durch einen vorgefertigten Ernährungsplan von jemand anderem – von Außen sozusagen – zu verändern, wird beim achtsamen Essen Veränderungen durch mehr und mehr Körperwahrnehmung, Bewusstsein und Vertrauen auf das eigene Bauchgefühl – von Innen – herbeigeführt. Ich bin überzeugt, dass das zu einer sehr viel nachhaltigeren Veränderung führen kann.

Achtsames Essen funktioniert mit jeder Ernährungsweise

Das Beste: Egal wie Du Dich ernährst, Du kannst immer achtsam essen. Das bedeutet, achtsam zu essen ist übergreifend und jederzeit anwendbar. Egal, ob Du Dich vegan ernährst, nach der Paleo-Ernährung isst, Dich an Clean Eating Richtlinien hältst, Fleisch liebst, Kohlenhydrate isst oder nicht oder Dir bisher noch überhaupt keine Gedanken zu Deiner Ernährung gemacht hast, achtsam essen kannst Du dabei immer. Es ist auch egal, wie alt Du bist, ob Du viel reist oder nicht, eher extern in Restaurants isst oder viel selbst kochst – achtsam zu essen geht immer und überall. Und: Du kannst jederzeit damit beginnen. Esse einfach Deinen nächsten Bissen mit absoluter Aufmerksamkeit und allen Sinnen.

In meinem Podcast zum Thema „Achtsames Essen“ für soulzen.de – dem Online Shop für Achtsamkeit – gehe ich noch tiefer auf das Thema ein, erkläre, wie ich selbst zu dem Ansatz gekommen bin und wie Du achtsames Essen im Alltag einfach umsetzen kannst:

Photo by Brooke Lark on Unsplash

About the Author

Leave a Reply